Überlebensfrage oder Lebensqualität

Ungleicher Zugang zu sanitärer Grundversorgung

Schätzungsweise 2,6 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zur sanitären Grundversorgung. Die Regionen mit der geringsten Versorgung sind West- und Zentralafrika (36%), Südasien (37%) und Ost- und Südafrika (38%). Mittel- und Osteuropa sowie die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) haben die höchste Versorgungsrate (84%).In ländlichen Gegenden der Entwicklungsländer liegt die Sanitärversorgung gar nur bei 35%.

Wasser ist für alle Organismen lebenswichtig. Der tägliche Wasserbedarf des menschlichen Körpers liegt in unseren Breitengraden bei etwa 2 Litern, in heissen Gebieten kann er bis zu 6 Liter betragen. Wird dem Körper diese als notwendig erachtete Menge nicht zugeführt, so nimmt er über kurz oder lang Schaden.

Minimaler Wasserbedarf

20 Liter als minimaler Bedarf

Es gibt Länder, in denen Menschen in der Nähe des Existenzminimums leben. Für sie ist Wasser direkt mit der Überlebensfrage verbunden. Ein Gewinn an hygienischer Sicherheit wird erzielt, wenn der Wasserverbrauch bei etwa 20 Liter pro Person und Tag liegt. Dann ist ein Minimum an persönlicher Hygiene und bescheidene Reinigungsarbeiten möglich, vorausgesetzt, das Wasser weist eine genügende Qualität auf.

Diese Menge wird international als notwendiger Wasserbedarf bezeichnet. Statistisch ist nachgewiesen, dass heute mindestens 26 Länder mit einer Bevölkerung von 450 Millionen Menschen einen Wasserverbrauch von unter 20 Litern pro Person und Tag aufweisen.
 

Grundbedarf

1 Mia Menschen unter dem Grundbedarf

Steigt der Wasserverbrauch auf 50 Liter pro Person und Tag, so können damit weitere Bedürfnisse wie Waschen, Duschen, Nahrungsmittelzubereitung und andere Aktivitäten befriedigt werden. Man bezeichnet diese international für jeden Menschen anzustrebende Menge als Grundbedarf.

In der Regel steht bei diesem Wasserverbrauch die existentielle Frage nicht mehr im Vordergrund. Hingegen spürt der Einzelne die Limitierungen im Umgang mit Wasser. Bei diesen Mengen sind auch die Art der Zuführung (zentrale Zapfstelle, Hausanschluss, Tankwagen), der Preis und die hygienische Entsorgung von zentralem Interesse.

Weitere 28 Länder sind bekannt, deren Prokopf-Verbrauch unter dieser Limite ist. Weltweit leben rund 1 Milliarde Menschen unter der Grundbedarfs-Grenze.  

Differenzierte Betrachtung

Vergleichen wir die Sicht der Menschen an der Armutsgrenze mit derjenigen von Einwohnern der Schweiz, so wird offensichtlich, dass Wasser für uns eine grundlegend andere Bedeutung hat. Die Wasserversorgung als meist öffentliche Service-Institution erfüllt eine Vielzahl an Dienstleistungen, die beim Konsumenten die Frage nach dem Grundbedarf gar nie aufkommen lassen. Mit den durchschnittlichen 160 Litern pro Person und Tag, also der dreifachen Grundbedarfsmenge, interessiert den Wasserverbraucher vielmehr, ob der angebotene Komfort an jedem Ort und zu jeder Zeit mit genügender Stabilität gewährleistet wird.

Komfort bei uns

Der Einzelne erfährt, dass er uneingeschränkt Wasser beziehen kann, welches zudem eine Qualität aufweist, die über die hygienischen Anforderungen hinausgeht. Das Wasser soll beispielsweise auch ästhetischen Kriterien wie Geruch und Geschmack genügen.

Neben Menge und Qualität geniesst der Wasserkonsument die Errungenschaften der modernen Siedlungswasserwirtschaft, die Druckhaltung in einem weitreichenden Versorgungsnetz und eine äusserst bequeme und relativ sorglose Abwasserableitung in die Kanalisation. Zusätzlich ist die Versorgung mit Wasser im Brandfall und in Notlagen gewährleistet.

 

Weltweit haben viele Leute keinen Zugang zu sanitären Anlagen

Grafik: UNEP

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